Marketing Case

Eigentlich wollte ich ja nur über das sensationelle Angebot für alle Single- und Studentenhaushalte berichten, dass es Tiefkühlpizzen jetzt für sagenhafte 5,99 gibt, wäre mir dabei nicht ein zweites Prospekt in die Hände gefallen. Aber alles der Reihe nach.

Vor unserem Haus existiert ein Blumenkübel mit der Aufschrift “Zeitungen”. Zwar hat außer der A-One WG kein einziger Nachbar irgendeine Zeitung abonniert (noch nicht mal den Donaukurier), trotzdem gibt es den Behälter, der regelmäßig mit Werbung vollgestopft umfällt. Auch heute befand sich darin ein großer Stapel Reklame und ich griff wahllos hinein um mal wieder auf den neuesten Schnäppchen-Stand zu kommen. Der Zufall führte zu zwei Prospekten unseres Lieblingssupermarktes um die Ecke. Beide Prospekte sahen unterschiedlich aus. Das eine (vom neuen High-Tech-Markt mit Fingerabdruck-Scanner-Kasse) modern und im Look der aktuellen Werbung, das andere eher schäbig (so wie der Markt bei uns ums Eck halt auch aussieht).

Jetzt meine Frage an die Sales und Marketing Experten: Ich bin beide Kataloge durchgegangen und in beiden standen (bis auf die Fleischauswahl) dieselben Angebote.
Kann mir jemand erklären, warum EINE Handelskette am SELBEN Tag ZWEI Kataloge verteilt, in denen IDENTISCHE Angebote stehen? Und warum das Schnäppchen mit der Tiefkühlpizza nicht mit dem Fingerabdruck zu bekommen ist?
Es grüßt ein verwirrter Kunde…

Nachtrag: Besonders begeistert bin ich von der Würstlparade!

| Von: Christian - 19 Dezember 2006, 13:53, Abteilung: Finance

  1. So viel zum Thema “Ambiguose/widersprüchlich Informationen” als ein Faktor des Konstrukts der Kundenverwirrtheit (Walsh 2002). Hiermit wäre ein weiterer Beweis für die Existens des Konstrukts und die Verknüpfung zu besagtem Faktor gefunden! Juhu! Was würde die Wissenschaft nur ohne die Fehler der Unternehmen machen… Wir könnten so schöne Dinge gar nicht nachweisen!


    — Katrin    19 Dezember 2006, 14:00    #
  2. Komme ich jetzt als Onlinequelle in deine DA?


    — Christian    19 Dezember 2006, 14:02    #
  3. Nachtrag: Heißt das jetzt, dass ein und die selbe Pizza im Luxus-Laden 4 € mehr kostet, als im schäbigen Laden-um-die-Ecke??? Das nenn’ ich mal Kundensegmentierung und Kundenwertmanagement. Nur dumm, dass in der A One offensichtlich beide Segmente vertreten sind und somit beide Werbeträger gelandet sind :-) Da ist Beratungspotential, WTM-Consulting…


    — Katrin    19 Dezember 2006, 14:04    #
  4. Da muss ich mal drüber nachdenken, ob WTM als wissenschaftlich akzeptierte und anerkannte Quelle referenziert werden kann.


    — Katrin    19 Dezember 2006, 14:05    #
  5. Das hätte ich mir ja noch gefallen lassen, wenn der Markt um die Ecke sein Angebot eher am Prkariat ausrichtet und der Fingerabdruckmarkt sich eher an den hippen Audianer Marketingleuten. Interessant ist auch, dass zwar die gleichen Fotos der Produkte verwendet werden, aber die Anordnung vollkommen anders ist. EDEKA ist meiner Meinung nach eh ein Laden der gegen jegliche Vernunft positioniert ist. Was es da alles an Linien gibt: EDEKA, EDEKA Aktiv Markt, Neukauf, Allkauf,... und Marktkauf gehört ja auch dazu (hat aber ne ganz andere CI). Da sag ich mal ganz offen – ICH BIN VERWIRRT! Die Rewe hat sich der Sache ja vor kurzer Zeit auch angenommen. In dem ganzen Laden heißen alle Linien jetzt REWE. Das dürfte auf jeden Fall für mehr Klarheit bei den Kunden sorgen, auch wenn z.B. Mini Mal bei uns eine etablierte Marke war.


    der_jens    19 Dezember 2006, 14:37    #
  6. Ich hab euch ja noch nicht berichtet WIE die Prospekte angeordnet waren. Das highfly Prospekt diente als Umschlag. Drin lag Werbung von der Drogeriekette Müller, einer Arbeitszeitagentur und eben das zweite (schäbigere) Prospekt.
    Soviel zum Thema Segmentierung.


    — Christian    19 Dezember 2006, 16:58    #
  7. was habt ihr für eine fingerprint-kasse?

    vielleicht ist der kommentator unter nr. 1 ja ein anerkannter experte, dann darf er zitiert werden. ich würde das allenfalls zur illustration verwenden. aber schön, dass ihr euch darüber so viele gedanken macht. zeichen sehr guter studentenqualität!


    The Exit    20 Dezember 2006, 00:19    #
  8. Wir haben da jetzt einen neuen EDEKA “Futurestore”. Da kann man unter anderem seinen Fingerabdruck und seine Bankverbindung hinterlegen und kann danach seine Einkäufe mit seinem Fingerabdruck bezahlen. Außerdem gibt es eine Self Checkout Kasse. Auf dem Foto oben links ist der Markt übrigens zu sehen.


    der_jens    20 Dezember 2006, 08:55    #

 


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