Call-Center Spass

Es ist immer wieder ein Spass, wenn irgendein Call Center bei mir anruft und versucht mir etwas zu verticken. Aufgrund diverser Vorbildung, liegt unsere line of visibility ungefähr auf Höhe der Kaffeeküche dieser Schuppen.
Folgendes ist heute geschehen (manch einer würde jetzt sagen ich sei gemein, aber die haben es leider verdient).

Gegen 12:15 erhielt ich auf dem elterlichen Telefon einen Anruf von einer Vertriebsgemeinschaft aus unserem Nachbardorf, die irgendwoher unsere Nummer haben und lokales Payback, Finanzdienstleister und sicher auch Scheidungsanwälte in einem sind. Die Dame meldete sich mit den Worten: “Guten Tag, ich habe heute vormittag bereits mit Ihrer Gattin telefoniert, schön, dass ich Sie jetzt erreiche.”

Das war ihr Todesurteil. Zum einen bin ich, wie bekannt sein dürfte, nicht verheiratet. Zum anderen fällt eine Verwechslung mit meiner Mutter aus, denn die ist gerade im Urlaub. Auf meinen Hinweis, dass das nicht stimmen könnte spührte ich ein merkliches Zucken am anderen Ende und auf die Frage wieso konnte ich ihr entgegnen nicht verheiratet zu sein. Eins zu null für mich, der Gesprächsaufhänger funktioniert wohl bei anderen Männern, die man Mittags zuhause erreicht, weil sie zum Essen heim kommen, nicht aber bei mir.

Weil ich nunmal interessiert am Grund des Anrufes war, fragte ich freundlich, was ich denn für die Dame tun könnte. Sie murmelte etwas von drei Tranchen, Mezzanine und 9 Prozent. Einige Fragen brachten Klarheit, sie wollte mir eine Mezzanine-Beteiligung an einer Bauträgerfinanzierung verkloppen, die in zwei Jahren 9 Prozent abwerfen soll. Dass sie mit diesem Angebot ihre persönliche Auswechslung herbeigerufen hatte, konnte die gute bis zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnen.
Nach wie vor interresiert bat ich sie, mir Details über dieses “interessante Angebot” zu unterbreiten. Also Neustart des Verkaufsgesprächs, diesmal deutlich selbstbewusster.
Das erste Detail: der Name der Bauträgerfirma, die mitten in München ein Altersheim errichtet und der Hinweis, dass diese Firma “exzellente Bonität” genieße. Ich stellt die natürlichste aller Nachfragen: Welches Rating hat diese Firma?
Totaler Knockout!! Nach einigem Gestammel und meiner Erklärung was ich unter einem Rating verstünde, versprach sie mir einen Rückruf in 15 Minuten.

Wenig später klingelt das Telefon erneut und ein Kollege von ihr meldet sich mit der Antwort, dass der Bauträger kein Rating hat. Über die erstklassige Bonität weitere Worte zu verlieren wäre aber wie “Eulen nach Athen zu tragen”. Na bitte, auch er hat es nicht anders verdient. Was er mir sagen konnte ist, dass die Geschäftsführer insgesamt 13 Mio Euro Eigenkapital im Unternehmen hätten. Wie hoch die Bilanzsumme ist wusste er aber nicht. Alles weitere zum Hintergrund der Firma könnte ich mir “über das Internet heraussuchen”. Mein Hinweis, dass der Begriff Junk noch Balsam wäre, wenn man sich eine Anlage für zwei Jahren bei 9% ansieht beendete unser Gespräch. Zum Vergleich, sehr schlechte Ratingklassen rentieren bei weitaus längerer Laufzeit nicht bei dieser Verzinsung.

Als er dann mit Basel 2 und den Eigenkapitalvorschriften der Banken anfing hatte ich Mitleid und verabschiedete mich, ohne zuvor das drei Säulen Konzept näher erläutert haben zu wollen. Aber klar dürfe er mich gerne wiedermal anrufen… Ich war doch nicht zu gemein, oder?

| Von: Christian - 25 Juli 2007, 14:14, Abteilung: Finance

  1. Sehr schön! Da hätte ich gerne eine Standleitung zu deinem Telefon gehabt.


    — customerofhell    25 Juli 2007, 14:44    #
  2. Doch, warst Du! Aber das haben diese out-bound-Typen auch verdient… v.a. im Finanzsektor. Da können die doch nicht einfach eingekaufte Telefonnummern abtelefonieren….


    Katrin    25 Juli 2007, 15:23    #
  3. So it es recht. Du siehst, ich halte mich natürlich auch auf Reisen immer bei WTM auf dem Laufenden. Grüße aus Peking.


    — Stephan    25 Juli 2007, 16:47    #
  4. Vergiss nicht mir gefälschten Klimbim aus China mitzubringen ;) Gute Reise!
    Und mach viele Fotos in Korea!!


    — Christian    25 Juli 2007, 17:23    #
  5. Ahhh hier gefälschtes Klimmbimm: wieder eine “böse” attitüde ! :-)))))


    — Jojo    25 Juli 2007, 20:44    #

 


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