XX - Leadership ?

Jetzt wo die US-Wahlen vorbei sind, und wir den ersten afro-amerikanischen President-elect der Vereinigten Staaten haben und alle Welt schreibt, wie wichtig dieser Schritt für Gleichberechtigung und gesellschaftliche Entwicklung sei, möchte ich noch einmal einen Blick zurück werfen und vielleicht ein wenig Licht auf eine andere Gruppe des Gesellschaft werfen, die ebenfalls die gläserne Decke hätte durchbrechen können.


(Photo: From left, Michael Edwards/Redux; Nigel Parry/CPI-Syndication)

Vor knapp 2 Jahren hat nämlich Hillary Clinton ihre Kandidatur verkündet. Eine Frau als Commander in Chief ? Puuh, echt? ... Naja in Deutschland geht’s ja auch, in England schon lange und für die Franzosen ;-) sowieso.
Ich habe mir damals (kann mich noch genau erinnern), die Frage gestellt, wer es von den beiden (Obama vs Hillary) zum Präsidenten schaffen wird. Afro-Amerikaner oder Frau? (mal platt ausgedrückt). Ich habe damals auf Hillary – die Frau – getippt, weil ich (ganz ehrlich) Amerika nicht zugetraut habe, dass sie jemanden mit dunkler Hautfarbe wählen.

(zum gleichen Phänomen stelle ich hier mal zwei Daten zur Debatte, die mich – zynisch ich weiss! – eines besseren hätten belehren können: 3. Februar 1870 und 18. August 1920)

Ich frage mich nur, was am Ende des Tages von dem aufstrebenden Frauenvormarsch geblieben ist? Hat nicht die ganze Palin-Geschichte der Frauenwelt geschadet?
Alles was Hillary aufgebaut hat, gegen all die Wände, gegen die sie rennen musste, im Nu dahin. Ich weiß nicht, was sich die Republikaner dabei gedacht haben, eine solche Frau, auf so ein Podium zu stellen und dann auch noch mit dem Ziel Frauenstimmen abzugreifen. Das ist doch ein Schlag ins Gesicht für jede Karriere-orientierte Frau.

Dabei stellt sich doch sowieso die Frage, wie eine Frau in der von Männern dominierten Karriere-Welt agieren sollte. (Wer jetzt meint er könnte mir erklären, dass es Gleichberechtigung gäbe und Frauen die gleichen Chancen hätten, dem kann ich nur sagen, “Zeig mir deine Zeitmaschine, aus der du herausgekrochen bist, wir haben hier gerade 2008.” Will damit sagen, dass sich natürlich schon Quantumprünge seit z.B. den 60ern getan haben, aber meine lieben Leute wir sind noch einen weiten Weg entfernt, bis Entscheidungen nicht mehr zu 95% von alten Herrn in ledernen Armsesseln getroffen werden.) Sollen sie mit Bambi-Augenaufschlag, einem Blusenknopf zu viel offen und Blaniks durch die Gänge schlendern oder doch lieber die dunkel-umrahmte Designer-Brille aufsetzen, Röcke aus dem Kleiderschrank verbannen und maßgeschneiderte Hosenanzüge tragen wie Castro seine Uniform?
Beides kann zum Verhängis werden.

Ich glaube, die favorable Taktik (falls es eine solche Überhaupt gibt) liegt irgendwo in der Mitte oder besser gesagt, in der eigenen individuellen Genuität.
Ich glaube jedoch ferner, dass Palin (um auf das obige Thema zurück zu kommen), Frauen mehr geschadet als geholfen hat, und das Hillary hier mal gut einen Tritt geben könnte.

Interesant ist zu sehen, dass die Wahl (so gesprochen und wahrscheinlich vollkommen statistisch Bodenlos) von Frauen entschieden wurde! Während Männer fast ausgegelichen für Obama und McCain gewählt haben, sprachen sich über 13% der weiblichen Wählerschaft mehr für Obama aus.

Ich bin glücklich über Obamas Sieg; keine Frage! Vielleicht ist es am Ende sogar besser für die Demokratie im Lande (man kann an der selbigen schon zweifeln, wenn man sich vor Augen hält, dass ansonsten das Land in 16 Jahren von zwei Familen regiert würde …), aber dennoch wollte ich das mal loswwerden.

Anbei übrigens ein Artikel, der die amerikanische Sicht, dieser Dinge gut beschreibt und lesenswert ist.

| Von: Johannes - 19 November 2008, 17:08, Abteilung: Law

  1. Vielen Dank, Jojo, dass Du diese Lanze für uns gebrochen hast :-)

    Ungewöhnlich positiv dem Thema gegenüberstehend, glaube ich allerdings, dass man die Fauxpas’ der guten Palin schneller vergisst, als die toughen Reden von Hillary – v.a. wenn diese jetzt Außenministerin o.ä. wird, was ein unglaublich souveräner und taktisch-kluger Zug von Obama wäre…

    Zur Kleider-Frage kann ich nur sagen: Es ist für Frauen in Firmen mit Dresscode in jedem Fall einfacher als in Companies ohne. Denn bei “ohne” ertreckt sich die Auswahl ja über die komplette Range, was sowohl die Grübelei vor dem Kleiderschrank jeden Morgen verlängert, als auch die von Dir grundsätzlichen Überlegungen erschwert…


    Katrin    20 November 2008, 09:24    #
  2. Ich finde du hast eine absolut realistische Situationsbeschreibung abgeliefert. Auf die Kernfrage: Warum es so wenige Frauen ins Top Management (Politik+Wirtschaft) schaffen, habe ich aber auch keine wirkliche Antwort.
    Aber eine meiner dezidierten Meinungen ist: Männer und Frauen sind anders. Anders sozialisiert, mit anderen Vorbildern aufgewachsen, in andere Rollen geschlüpft. Das hat weniger etwas mit dem Geschlecht, als mit der Gesellschaft und den Rollenerwartungen zu tun. Beispiel: In meiner ganzen Zeit auf dem Gymnasium gab es zwei Mädchen als Schulsprecher und ca. 20 Jungs. In drei Jahren Schulsprecher hab ich wirklich sehr viel gelernt was verhandeln, Mehrheiten beschaffen usw. angeht.

    Es gibt ja verschiedene Erklärungsansätze und meine aktuellen Erfahrungen lassen mich zumindest einem dieser Ansätze eine gewisse Relevanz schenken.
    Dem Ansatz nach, sind es die Frauen selbst, die sich gegenseitig daran hindern ganz nach oben zu kommen. Ist natürlich eigentlich eine ziemlich bescheuerte “Ausrede” von einem Mann. Der Ansatz wurde aber vor allem von einigen Frauen geprägt.
    Letztlich ist auch im Unternehmen vieles Politik, gerade wenn es darum geht weiter nach oben zu kommen. Da gilt es eben solche Allianzen zu schmieden und Gefechte auszutragen. Möglicherweise verhalten sich Männer da einfach anders. Die Erfahrungen aus meinem persönlichen Umfeld zeigen zumindest, dass Frauen viel Nachtragender sind und viel schneller persönlich werden. Während Männer das etwas besser trennen und auch Dinge auf sich belassen können.
    Und wenn ich mir mein Leiden in Hessen gerade anschaue finde ich es nur bezeichnend, dass es zunächst eine Frau war, die im März alles blockiert hat (Metzger) und dann zwei weitere, die Ypsilanti zu Fall genracht haben. Natürlich kann man, berechtigter Weise, hier von Zufall sprechen und auch noch Jürgen Walter anführen (der aber als Letzter auf den fahrenden Zug aufgesprungen ist), aber trotzdem ist hier wieder ein Beispiel zu sehen wo Frauen einer Frau den Weg an die Macht verbaut haben.
    Der Fall zeigt aber natürlich auch, dass den Damen wahrscheinlich kein einziges Mal in den Sinn gekommen ist, von ihrer Entscheidung abzurücken, nur weil Y eine Frau ist.

    Also es bleibt eine schwierige Frage. Dennoch oute ich mich hier gerne als Feind fast aller Frauenförderprogramme. Jeder der mal bei irgendwas zur Wahl stand und in einem demokratischen Prozess von der Mehrheit gewählt wurde, dann aber seinen Platz räumen musste, weil die Quote nicht erfüllt war, wird mich verstehen können.


    — customerofhell    20 November 2008, 11:29    #
  3. Hi Jojo,

    als Mann und geborener Advocatus Diaboli muß ich da mal was klarstellen.
    Bitte nicht zu ernst nehmen, denn ich weiß es natürlich besser.
    Aber um des Spaßes willen:

    Die Gleichberechtigung haben wir durchaus erreicht. Frauen dürfen wählen, ohne Begleitung auf die Straße und sogar in der Öffentlichkeit rauchen oder trinken.

    Die Gleichstellung, die viele Frauen zu Recht einfordern, aber nicht explizit formulieren, ist auch von den Frauenrechtsbewegungen nie vorgebracht worden.

    Ein kleiner aber gravierender Unterschied.

    Das Ziel ist ganz klar die Gleichstellung, aber solange wir die Unterschiede immer wieder ans Licht zerren (z.B. dieses manische Beharren auf zweigeschlechtlicher Formulierung von Stellenbezeichnungen, die an sich kein Geschlecht beinhalten) wird es keine Gleichstellung geben.

    Gleichstellung setzt auch voraus, die mehr oder weniger irrelevanten Unterschiede nicht mehr ins Licht zu zerren, sondern von sich aus die Gleichheit der Geschlechter vorauszusetzen.

    Nur ein paar Gedanken zur Begriffsdefinition… :o)

    Gruß

    Thilo


    — Thilo    2 Dezember 2008, 14:45    #

 


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