Der deutsche bunte Hund

Eine knappe Woche Norwegen liegt hinter mir, und eines ist schonmal klar: Die ganzen Vorurteile und Besonderheiten, die mir über die Norweger erzählt wurden, die stimmen alle! Unglaublich! Mit Pfannkuchen umwickelte Wiener Würstchen: Ja, gibt es! Exzessiver Kautabak-Verbrauch (ich dachte, sowas wär vor 100 Jahren ausgestorben): Ja, gibt es!

Da komme ich nun nicht gerade aus einem exotisch weit entfernten Land, und trotzdem falle ich in unserem (zugegebener Maßen kleinen) Büro auf wie ein bunter Hund: Punkt 1: Schuhe. Niemand in Norwegen scheint Absatzschuhe zu tragen. Klack klack klack bald bin ich das Parkett im Büro durch. Schickt mir Sneakers!!! Punkt 2: Klamotten allgemein: Außer in meinen Jeans fühle ich mich total overdressed. Nein. Ich bin ohne sie total overdressed. Punkt 3: Arbeitszeiten. Wenn ich um Viertel nach 4 noch im Büro sitze, werde ich aufgezogen, dass es in einer Firma von 5 Leuten keine Aufstiegschancen für mich gebe. Überstunden lohnten sich also nicht.

Das finde ich als solches einen Super-Plan (Rückkehr nach Deutschland wird die Hölle, ich werde mich total überfordert und ausgebeutet fühlen), aber wenn ich um 8 komme, von Viertel nach 8 bis Viertel vor 9 allgemeine Kaffee-Pause ist, und von halb 12 bis 12 “Lunsj” (denn “Middag” isst man um 5 – natürlich zuhause – ), wann soll ich dann bitte diese blöde Markteinführung hinbekommen? Nun, wie dem auch sei, Überstunden gelten für meinen neuen Chef als ineffektive Arbeitsweise, und wenn schönes Wetter ist, soll ich gerne um 12 gehen und dann abends zuhause weiter arbeiten, wenn ich möchte.

Tja, wir haben ja schon in Kopenhagen über die Kinderwagendichte gesprochen. Langsam wird mir da so einiges klar. Lebensqualität buchstabiert man skandinavisch. Passend dazu ein paar Bilder vom Hafen, aufgenommen am letzten Freitag.


| Von: Sigrid - 28 April 2008, 18:25, Abteilung: Marketing

  1. Ich seh schon, totale Fehlplanung wiedermal hier an der Uni. Wer braucht Spanisch und Französisch? Dänisch und Norwegisch ist angesagt! Angesichts der Tatsache, dass es in meinem 5 Mann Betrieb auch keine Aufstiegschancen mehr gibt, mach ich jetzt Feierabend.


    — customerofhell    28 April 2008, 18:47    #
  2. Schöffchen, mit segeln … aaaaahhh! will haben !


    — Jojo    28 April 2008, 18:58    #
  3. Neues aus dem emanzipierten Norwegen:

    Für die weiblichen Kandidaten bei “Deal or no Deal” werden anstatt der deutschen leichtbekleideten Chantals und Giselles ein paar schmucke Jungs im Anzug zu Kofferträgern. Gelungene Abwechslung! Vor allem, weil die Show hier nicht so lahm ist wie in D, sondern mehr der amerikanischen Version (kennen VIPs aus der Entscheidungstheorie-Vorlesung) nahe kommt.


    — Sigrid    29 April 2008, 20:21    #

  4. Sehr gut!! Bei einigen der Herren hätte man u.U. aber auch gar nichts gegen leichte Bekleidung einzuwenden, oder? Weiß der Moderator in Norwegen auch zufällig immer alle Vornamen (d.h. verteilt er auch einfach irgendwelche Namen, so wie in Deutschland)?


    Katrin    29 April 2008, 23:51    #

 


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