Planspiel CEO. Heute: Die beste Mittagspause

Manchmal denkt man sich doch im Berufsalltag “Und wenn ich das Sagen hätte…” Oder man hinterfragt zumindest, warum Dinge so und so laufen. Bei uns im Unternehmen gibt es etwa das geflügelte Wort “historisch gewachsen”, was in etwa heißt “Keinen Plan, warum das so ist, wäre aber auch zu aufwendig, es zu ändern”. :-)

Entscheidungen, Regeln, Traditionen betreffen ja aber nicht immer nur Produktion, Logistik, Vertriebsstrategie, sondern auch die alltäglichen Dinge, über die man sich im Alltag wenig Gedanken macht, zum Beispiel die Auswahl der Büromöbel oder die Entscheidung Großraum vs. Einzelbüros, Open-Door-Policy, usw. Diese Aspekte finde ich super spannend und frage mich oft, wer da was wann warum entscheidet.

Naja zum Punkt: Heute in der Mittagspause kamen wir auf eine interessante Sache: Eben diese Mittagspausen-Regelungen. Da gibt es Hunderte Konzepte, und wahrscheinlich alle mit Hintergedanken entschieden.

Bei den Pudding-Königen zum Beispiel schlappt man abteilungsweise in die Kantine das Mitarbeiterrestaurant und wählt aus den ca. 7 (ungelogen) Tagesgerichten. Dann geht es mit dem Tablett an große längliche Tische. Für “intimere” Runden gibt es noch Vierertische. (Auf jedem Tisch stehen übrigens frische Blumen. Ich meine, das muss ja auch mal einer entschieden haben. Und wohl einer, der rechnen kann, und trotzdem dabei bleibt.)

Im Hamburger Hause der Körpercremes lief das ganz anders: Auch da ging es in Grüppchen los, aber in der Kantine gibt es nette blau-weiß gekleidetete Platzanweiserinnen, denen man konzpirativ per hochgehaltener Fingeranzahl die Gruppengröße über den Raum mitteilt, damit diese die Gruppe zu runden 8er-Tischen lotsen. 4er-Gruppe wird dann z.B. mit 4 weiteren Kollegen aufgefüllt. Dann kommt auf den Tisch eine Schüssel Fleisch, eine Schlüssel Beilage, eine Schüssel Soße, wie bei Muttern eben. Interessante Aspekt: Da man nie zu 8 losgeht, kommt man jeden Tag mit anderen Mitarbeitern am Tisch ins Gespräch.

Beim Schweizer Lebensmittelriesen soll es zumindest am Frankfurter Standort nochmal anders zugehen: Zweiertische, und man verabredet sich jeden Tag mit einem neuen Kollegen (im besten Fall aus anderen Abteilungen) zum Essen. Mit dem offiziellen Ziel, das Networking im Rahmen von 2er-Gesprächen zu erleichern. Kehrseite der Medaille: Jeder Mitarbeiter bringt im Schnitt 2 Stunden pro Woche auf, für die nächsten 2 Wochen seine Mittagspause zu planen. Und natürlich Panik, wenn mal kurzfristig der Speisepartner ausfällt.

Leider verbringen die WTMler ja selten ihre Mittagspause gemeinsam. Aber meine Frage: Wie findet Ihr die verschiedenen Konzepte? Kennt Ihr andere? Und wie würdet Ihr für Eure Firma entscheiden, so als CEO?

| Von: Sigrid - 6 Mai 2009, 22:25, Abteilung: Marketing

  1. Interessante Frage! Ich wusste gar nicht, dass es soviele total unterschiedliche Mittagspausen/Kantinen-Varianten gibt! Bisher kannte ich nur den Klassiker, also das Pudding-Könige-Konzept (aber bisher ohne frische Blumen…).

    Die Uni-Mensa der TUM ist da ein ganz schwieriger Fall, wir haben schon überlegt, ob wir die nicht bei den Kochprofis anmelden sollen. Es ist schon faszinierend, dass man aus Hunger auch total verkochtes Gemüse und Nudeln von Tablett-Tellern (ja ganz recht, es gibt keine normalen Teller) gut findet…


    — Nadine    7 Mai 2009, 16:36    #
  2. Also bei der bekannten Fluggesellschaft in FRA hat sich da glaube ich niemand Gedanken gemacht. Das ist wie in der Mensa in ING: Freie Platzwahl, freie Essenswahl, unterschiedlich große Tische. Die Abteilung ging aber fast nie geschlossen essen. Dadurch war der permanente Stress groß Mittagessensdates zu vereinbaren. Bei einem Kollegen musste man dann auch tatsächlich 6 Wochen vorher anfragen, wenn man mal mit ihm essen wollte.
    Interessant war noch, dass es auf dem gelände mehrere Cafeterien gab. Und die bei der “Technik”, also da wo noch richtig gearbeitet wurde, gab es die viel größeren Portionen, weshalb man auch mal zwischen Jumbos und Hangars herumlief um in diese Kantine zu kommen.


    customerofhell    7 Mai 2009, 18:03    #
  3. Wir sind mit unserem Office vor kurzem umgezogen. In ein noch viel größeres und schöneres Gebäude (das wurde sicher noch im ersten Halbjahr 08 geplant…). Dort gibts auch eine schöne und neue Kantine, zum einen große 8er Tische, aber auch 4er-Kombis in Nischen. Quasi Romantic-Hide-Aways. Der große Nachteil an der neuen Kantine: es wurden, weil man ja soo trendy ist, drei große TV Screens an die Wand gehängt. So Teile die man sonst fürs Public Viewing braucht. Naja, prinzipiell gut, würde da nur World Surf Channel, Snooker und Fashion TV laufen. Aber es läuft BloombergTV und CNBC. Ich sitze ohnehin schon den ganzen Tag vor laufenden Textbändern. Da will ich wenigstens in meiner Mittagspause Meeresrauschen und Goldfischen beim Schwimmen zusehen. Manchmal wird die Fläche auch für Firmenpropaganda / cross selling an Mitarbeiter benutzt. Ich warte aber immer noch auf den Tag, wo dort der “Mitarbeiter des Monats” vorgestellt wird.

    Nun aber zum Essensverhalten: wir gehen eigentlich als Team essen. Ich sage eigentlich, denn ab und an verabredet man sich mit Kollegen aus anderen Abteilungen. Unser alter Chef pflegte aber dann stets laut anzuprangern, dass man jetzt nicht mehr länger ein Teil des “CORETEAMS” sei. Naja, das führte aber bisweilen eben dazu, dass unser Chef (der selten Lunchdates ausgemacht hatte) gemeinsam mit dem Praktikanten das CoreTeam bildete.


    — Christian    8 Mai 2009, 10:46    #

 


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