Die kleinste Volkswirtschaft der Welt...
...Ist nicht der Vatikan, sondern mini-umstadt . Zwei Wochen im Sommer gehen wieder 650 Kinder auf Entdeckungstour. Wichtigster Bestandteil ist die Währung – die Udos (siehe Bild). Dummerweise leidet die Wirtschaft in mini-umstadt unter einer ständig ansteigenden Inflation. Das Problem ist folgendes: Die Kinder können Jobs annehmen (z.B. bei der Post, der Stadtverwaltung, der Schreinerei oder im Beautysalon) und bekommen dann pro Stunde 5 Udos (Umstadt Dollars) Lohn. Mit diesem Geld können sie dann z.B. im Bistro etwas zu essen kaufen oder im Reisebüro einen Ausflug buchen. Leider gibt es in der Summe zu wenige Möglichkeiten Geld auszugeben. Die ersten 5 Tage macht das den Kindern wenig aus, da sind sie einfach nur glücklich immer mehr Geld zu horten, aber so ab dem 6 Tag realisieren sie dann, dass sie sich mit dem Geld alleine nichts, bzw. nur wenig kaufen können. Zu sagen ist außerdem noch, dass nach den 10 Tagen das Geld nichts mehr wert ist, weil es im nächsten Jahr jeweils neues Geld gibt.
Sehr spannend ist auch zu beobachten, dass in den ersten Tagen buchstäblich jeder Job von den Kindern angenommen wird, nur um das Udo Konto zu erhöhen und gegen Ende nur noch die spannensten ausgesucht werden.
So liebe Banker, jetzt braucht mini-umstadt euren Rat, Vorschläge?
|
Von: customerofhell - 4 April 2007, 19:44, Abteilung: Research
Ey, wir sind nicht die kleinste Volkswirtschaft: wir sind die größte bei den kleinen! nur mini-münchen ist größer, aber nur alle zwei Jahre und dieses Jahr eben nicht.
— tande dani 4 April 2007, 19:50 #
Versuchen wir uns einmal an das Problem heranzutasten: eure Zentralbank wirft schneller mehr Geld auf den Markt als das Mini-Umstadt BIP wächst. Hierzu erst mal eine Frage: Ist Mini-Umstadt eine geschlossene Volkswirtschaft oder sind dort auch Dinge zu erwerben, die von außen kommen (quasi importiert werden)?
Dann würde es Sinn machen eine Devisenhandel zu integrieren und Udos und Euros zu handeln. Allerdings werdet ihr wahrscheinlich das Problem haben, dass die Kids keinen Gegenwert erwirtschaften, der mit dem “Ausland” handelbar wäre (vielleicht denkt ihr aber auch einmal über eine Mini-Umstadt Autowaschstraße nach, in der Mini-Umstadt Eltern ihre Familien-Vans waschen können, gegen Fremdwährung versteht sich).
Um allerdings mit einer funktionierenden Volkswirtschaft zu starten braucht ihr Startkapital (in der deutschen Geschichte auch Willkommensgeld genannt). Entweder kauft sich jeder Teilnehmer wie beim Pokern mit einer bestimmten Summe ein, oder ihr findet einen guten Sponsor. Ohne existierenden Gegenwert zu ausgegeben Währung würde nur eine völlig geschlossene Volkswirtschaft bleiben (vielleicht fangen eure Teilnehmer mit Bartergeschäften an, wenn die Kohle nix mehr wert ist ;).
Eine Idee kommt mir aber gerade beim Schreiben: eröffnet ein Casino. Nirgends kann man mit ein wenig Spass so schnell die “hart erarbeiteten” Udos wieder los werden. Eure Teilnehmer hätten eine Beschäftigung und würden nicht verzweifelt nach Investitionen suchen.
Da lässt sich dann auch ein System a-la easy credit einführen. Die Bewohner leihen sich Geld und müssen dafür Zinsen zahlen. Und wenn sie nicht alles verzocken, dann können sie ihre eigene Firma aufbauen und müssen ihre Angestellten selber zahlen.
Entrepreneurial Spirit oder auch Mini Umstadt 2.0
— Christian 4 April 2007, 20:50 #
Sehr schön analysiert, Christian! Meine Antwort dazu kannst du hier lesen: http://miniumstadtblog.twoday.net/stories/3527589/
— tande dani 4 April 2007, 21:19 #
Die Zentralbankexperten aus Ingolstadt schlagen folgendes Maßnahmenpaket vor
1. Das Startguthaben wird nicht mehr einfach so gezahlt (es gibt kein Manna vom Himmel), sondern als zu verzinsender Kredit
2. Es werden weitere Gebühren eingeführt (GEZ für mini-Fernsehn)
3. Die Zentralbank gibt als attraktives Anlageprodukt Schatzbriefe heraus (Umstadt Golden Surf Zertifikat 2007) in das die Bürger investieren können und Zinsen erhalten
4. Die Staatsunternehmen (es gehören ja momentan alle Unternehmen dem mini-umstadt-staat) werden privatisiert! D.h. jedes Unternehmen wird in 500 Aktien zu 5 Udos an die Bürger verkauft. Jeder Bürger kann eine oder mehr Aktien eines Unternehmens kaufen. Die Bank garantiert einen Rücknahmepreis von 5 Udos. Die Aktien können dann untereinander getauscht oder gehandelt werden. Wenn ein Bürger oder eine Gruppe mehr als 25% eines Unternehmens hält können sie direkten Einfluss auf dessen Geschäft nehmen.
5. Natürlich muss eine Bundesdruckerei eingerichtet werden um die ganzen Aktien zu drucken
6. Die Aktionäre müssen ein Depot bei der Bank zur Verwaltung der Aktien einrichten (kostenpflichtig)
Nun wartet der ThinkTank auf die ersten Reaktionen der mini-umstädter Politik
— Aone ThinkTank 4 April 2007, 21:40 #
Kann man dann auch als GEZ-Mitarbeiter andere Mitbürger terrorisieren… ? Dieses Realitätsausmaß würde ich den Kleinen ersparen! :-) Aber eine Börse wäre cool!
— Sigrid 4 April 2007, 21:48 #
Wir versuchen ja eher ein bißchen integrativ zu sein. D.h. der potentielle GEZ Mitarbeiter muss erstmal ein Diplom machen um seinem Job nachzukommen. Dabei könnte man ihn oder sie ja so schulen, dass er sehr nachsichtig und verständnisvoll ist und keine Studenten der mini-umstadt Uni heimsucht.
— Aone ThinkTank 4 April 2007, 21:53 #
Genau, wir bieten nicht umsonst Streitschlichtungskurse an, bei denen man das Zoff-Diplom erlangen kann!
— tande dani 4 April 2007, 21:55 #
Wie wäre es, wenn die Udos auch für wahre Bedürfnisse ausgegeben werden muss? Also, wer ein Bett haben will, muss es bezahlen, ebenso wie das Frühstück, etc. Wer dann nicht arbeitet, muss unter freiem Himmel schlafen oder bekommt nichts zum Essen.
Denn so wie das Konzept dargestellt wird, kann das Kind sich Geld für Luxuskonsum (Eis) hinzuverdienen. Tut es das nicht, oder spart es, braucht es später nicht mehr zu arbeiten. Wird das Geld ohne Arbeit weniger, wird das Kind wieder arbeiten :)
— The Exit 5 April 2007, 16:03 #
Deinen letzten Satz werde ich mir einrahmen! Ich hoffe, der schafft es irgendwie in deine Diss ;)
— Christian 6 April 2007, 16:46 #