Selbst Mikrokredite vergeben

Seit Muhammad Yunus 2006 den Friedensnobelpreis für seine Grameen Bank erhielt, ist das Prinzip der Mikrokredite der breiten Öffentlichkeit bekannt. Eigentlich erscheint die Sache schon auf den ersten Blick logisch. Kleinstgewerbetreibende in der sogenannten dritten Welt wird Kapital zur Verfügung gestellt um ihr Geschäft aufzubauen oder auszubauen. Da es sich oft um geringe Beträge handelt und die Unternehmer oft keine Sicherheiten bieten können, scheiden klassische Banken als Geldgeber aus. In diese Lücke treten dann unterschiedliche Organisationen die Mikrokredite vergeben.
Nun habe ich beim Surfen Kiva.org entdeckt. Diese Organisation dient als Plattform für verschiedene Hilfsorganisationen die Mikrokredite vergeben. Die Mitarbeiter dieser Organisationen übernehmen die Evaluation der Kreditnehmer vor Ort. Dann kann man Kiva.org ein Foto des Kreditnehmers sowie eine Beschreibung seines Vorhabens, der höhe des gewünschten Kredits und der Rückzahlungsmodalitäten entnehmen – und entscheiden ob man einen Teil des Kredites gewähren möchte. Los geht es bei 25 Dollar.
Sobald der Kredit zusammen ist, wird er durch die lokale Organisation ausgezahlt und dann über 12-18 Monate wieder zurückgezahlt. Man kann dies dann auch auf der Seite verfolgen und in unregelmäßigen Abständen werden Journals erstellt, die den Erfolg oder auch Misserfolg des Unternehmers dokumentieren.

Auf den ersten Blick wollte ich da sofort einsteigen. Allerdings haben ich auch kritische Töne zu Kiva.org gehört. Es geht dabei um das Problem der Zinsen. Auch Muhammad Yunus wurde nach Erhalt des Nobelpreises kritisiert, weil seine Bank zum Teil sehr hohe Zinsen verlangt. Dies ist bei Kiva nicht der Fall. Die Kredite werden zinsfrei vergeben. Im ersten Moment hört sich dies auch sehr sozial an, aber auch mit rudimentärem makroökonomischem Wissen erkennt man recht schnell, dass durch solch ein Vorgehen, der lokale Markt gestört wird. Lokale Banken können mit einer Organisation die nicht kostendeckend arbeiten muss nicht mithalten.
Letztlich sind es aber eben auch diese lokalen Banken die keine kleinen Kredite ohne Sicherheit vergeben. Trotzdem finde ich die Idee von Kiva wirklich super. Wie schauts, sollte WT&M da mal investieren?

| Von: customerofhell - 26 September 2007, 19:36, Abteilung: Research

  1. Die Idee ist doch super. Aber auch für “soziale” Finanzierungshilfe sollte es eine adäquate Verzinsung geben, und wenn es nur 2 oder 3 Prozent sind, also weit weniger als man am Kapitalmarkt erzielen könnte.


    Nils    27 September 2007, 02:29    #
  2. Dass humanitäre Aktionen dem “Markt” schaden, dass hat Schneider uns ja intensiv genug erklärt. Trotzdem hab’ ich da oft Zweifel. Kommt der “Mensch” nicht vor dem “Markt”? Vor allem, solange es soviele Menschen auf der einen und nicht auf der anderen begünstigten Seite gibt. “Markt”-Argumente kann man immer am besten dann anbringen, wenn der Bauch mit Barolo und Schinken voll ist.


    — Sigrid    28 September 2007, 15:10    #
  3. Da kann ich dir eigentlich nur zustimmen. Doch gerade was Entwicklungshilfe angeht hab ich oft auch so meine Bedenken. Da kommen dann die Gutmenschen aus Deutschland und helfen den Armen. Doch nicht selten wird die Situation dadurch verschlimmert weil neue Abhängigkeiten entstehen usw.
    Daher sollte man finde ich immer schon genau nachdenken welchen Konsequenzen sowas hat.
    Aber eins sollte man nicht vergessen. Diese Kredite richten sich an genau die Leute die von den Banken, sofern sic existieren, keine Kredite bekommen. Also wird hier auch kein Markt gestört. Es könnte natürlich passieren, dass irgendwann Leute die auch einen Kredit bei der Bank bekommen häten sich an diese Organisation wenden, weil sie dort keine Zinsen zahlen müssen.
    Trotzdem werde ich bei dem Laden glaube ich mal mit 25 Dollar einsteigen, weil es mich anspicht und ich mich mit der Idee sehr gut identifizieren kann.


    customerofhell    28 September 2007, 16:42    #

 


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